Hans und die Bohnenranke

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Eine Geschichte aus der M├Ąrchensammlung des bekannten australischen M├Ąrchenschriftsteller Joseph Jacobs.

Das beliebte M├Ąrchen erz├Ąhlt von einem armen Jungen, der eines Tages in den Besitz von Zauberbohnen kommt, an deren Ranken er bis in den Himmel klettern kann. Oben angekommen trifft er auf einen Riesen, nimmt dessen Reicht├╝mer an sich und kann zur Erde entkommen. Der Riese aber plumpst bei der Verfolgung des Diebs in einen Teich und wird nicht mehr gesehen.
Von da an f├╝hren Hans und seine Mutter ein sorgloses Leben im Wohlstand.

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Hans und die Bohnenranke
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Am Rande eines Dorfes lebten eine arme Frau und ihr Sohn Hans. Sie besa├čen kein anderes Vieh als eine einzige Kuh und nichts als die Milch dieser Kuh, um ihr Leben zu fristen. Jeden Morgen trugen sie die Milch zum Markt und verkauften sie dort.

Aber eines Tages gab die Kuh keine Milch mehr. Keinen Tropfen.

Was sollen wir nun damit machen? Was sollen wir nur tun? klagte Hans Mutter.

Hab keine Angst, Mutter, ich werde fortziehen und Arbeit suchen, beruhigte sie Hans.

Wir haben uns so oft nach einer Arbeit umgesehen. Es ist schwer, heutzutage etwas zu finden. Es f├╝hrt kein Weg daran vorbei, wir m├╝ssen unsere Kuh verkaufen, entschied die verzweifelte Mutter.

Gut, ich werde also gleich auf den Markt gehen und will sehen, was sich machen l├Ąsst, stimmte Hans zu. Er polierte die Glocke, die die Kuh um den Hals trug, band ihr einen Strick um die H├Ârner und ging mit ihr fort.

Er ging nicht lange, als ihm auf dem Weg zum Markt ein seltsam anmutendes altes M├Ąnnlein begegnete. Es war klein, hatte strubbelige Haare und sang etwas vor sich hin.

Guten Morgen, mein Junge. Wohin des Weges?, fragte der alte Mann.

Auch Euch einen sch├Ânen guten Morgen. Ich gehe auf den Markt, um die Kuh zu verkaufen, antwortete Hans.

Ja, mein Junge, du siehst genauso aus wie einer, der eine Kuh verkaufen will! Nun, sie sieht gesund aus. Ich w├╝rde sie kaufen, aber ich habe kein Geld. Ich habe nur f├╝nf Bohnen in der Tasche, erkl├Ąrte ihm das merkw├╝rdige M├Ąnnlein. Der Alte streckte Hans seine Hand hin, in der f├╝nf Bohnen lagen, mit einer seltsamen Kerbe, wie Jack sie noch nie gesehen hatte. Und wei├čt du was? fuhr der Alte fort. Ich bin tats├Ąchlich bereit, dir diese f├╝nf Bohnen als Kaufpreis f├╝r deine Kuh zu geben.

Wollt Ihr mich f├╝r dumm verkaufen? Wer w├╝rde schon eine Kuh f├╝r ein paar Bohnen tauschen?, lehnte Hans sein Angebot entschieden ab.

Mein Junge, es sind keine gew├Âhnlichen Bohnen. Wenn du sie am Abend einpflanzt, so sind sie am Morgen bis zum Himmel hinaufgewachsen, versuchte der Sonderling ihn zu ├╝berzeugen.

Hans lie├č sich schlie├člich tats├Ąchlich ├╝berreden und verkaufte die Kuh an den Alten f├╝r nur f├╝nf Bohnen. Als er heimkam, st├╝rzte er sogleich ins Haus, um vor der Mutter mit dem guten Gesch├Ąft zu prahlen.

Seine Mutter staunte. Oh Hans! Schon zur├╝ck? Du hast die Kuh verkauft, hast du einen guten Preis daf├╝r bekommen? Sage mir, waren es zehn Pfund? Nein? Dann vielleicht zw├Âlf? Auch nicht? Doch nicht etwa f├╝nfzehn? Oder gar zwanzig?!

Mutter, schau, f├╝r unsere Kuh bekam ich diese f├╝nf Zauberbohnen!, rief Hans begeistert und streckte die Hand mit den Bohnen zu ihr aus.

Was, was? Was f├╝r Zauberbohnen? Es sind doch ganz gew├Âhnliche Bohnen und du hast sie f├╝r unsere Kuh eingetauscht! Ach Gott, jetzt ist uns wirklich nichts geblieben. Den Hungertod werden wir beide sterben. Aus den lumpigen Bohnen kann ich nicht einmal eine Suppe kochen, zum Fenster schmei├č ich sie hinaus. Kaum sagte sie dies, da ├Âffnete sie das Fenster und warf die Bohnen in den Hof hinaus.

Traurig stieg Hans in sein K├Ąmmerlein. Er zerbrach sich den Kopf dar├╝ber, wie und wo er Geld oder etwas zu Essen besorgen konnte. Es fiel ihm jedoch nichts ein. Mit knurrendem Magen war es aber auch wahrlich schwer zu denken. ├ťberdies tat ihm leid, dass seine Mutter jetzt ungl├╝cklich war und er sich hatte reinlegen lassen. Vor lauter Kummer konnte er lange nicht einschlafen.

Am Morgen weckte ihn das laute Trillern eines Vogels. Er sprang aus dem Bett und trat ans Fenster. Er rieb sich die Augen und danach rieb er sie noch zweimal und kniff sich in den Arm, da er sich nicht sicher war, ob er schon wach war oder noch tr├Ąumte. Drau├čen auf dem Hof war bis zum Morgen eine gewaltige Bohnenranke gewachsen, fast wie ein Baum. Sie wuchs auch jetzt h├Âher und h├Âher, bis zu den Wolken und diese verdeckten den obersten Teil der Pflanze.

Das M├Ąnnlein hat doch die Wahrheit gesprochen, murmelte Hans und lachte von einem Ohr zum anderen. Er ├Âffnete schnell das Fenster, machte einen kleinen Schritt auf die Bohnenranke zu, die wie eine gigantische Leiter zum Himmel ragte, und schon kletterte er hinauf. Er kletterte und kletterte, bis er endlich bei den Wolken angelangte. Da sah er eine breite Stra├če, die zu einem Schloss f├╝hrte. Hans sprang von der Ranke herunter und wanderte die Stra├če entlang, bis er zum Schloss kam.

Als er das schwere Schlosstor erreichte, bemerkte er dort das M├Ąnnlein, das ihm die Zauberbohnen gegeben hatte. Um ihn herum leuchteten merkw├╝rdige Lichter, die ihn noch mysteri├Âser erscheinen lie├čen. Hans dr├╝ckte gegen das hohe Tor, das nachgab, und er stand vor einem schweren Vorhang, hinter dem seltsame Ger├Ąusche zu h├Âren waren. Er schob den Vorhang ein wenig zur├╝ck und blickte in einen Raum, voller Speisen und Sch├Ątze. An einem Tisch sa├č ein schrecklicher Riese und stopfte sich mit gro├čen Fleischst├╝cken voll. Vor seinen F├╝├čen sa├č eine goldene Henne. Sie legte goldene Eier und jedes Ei kullerte zu der goldenen Harfe hin├╝ber, die eine zauberhafte Melodie spielte.

Hans fing sofort an zu ├╝berlegen, wie er sich diesen Reichtum zu eigen machen k├Ânnte. Er sah sich bereits mit der Mutter sorglos und zufrieden leben, ohne Angst vor dem Hungertod.

Eine Weile beobachtete er den Riesen, der schmauste und dabei mit der Hand in einem Haufen von Goldst├╝cken w├╝hlte. Schlie├člich, m├╝de von der ├╝ppigen V├Âllerei und vom Wein berauscht, schlief er am Tisch ein.

Da erschien dem Hans das seltsame M├Ąnnlein, das ihm die Bohnen gegeben hatte, und dieser fl├╝sterte ihm zu: Der Riese ist gerade eingeschlafen. Du kannst etwas von seinen Sch├Ątzen nehmen. Aber sei vorsichtig und mach schnell!

Ich nehme einen Beutel voll Gold, ├╝berlegte Hans und der Alte nickte zustimmend. Als Hans jedoch h├Ârte, dass der Riese schnarchte wie ein alter B├Ąr, beschloss er, noch mehr zu nehmen. Aber was? Da kam auf einmal kam die goldene Henne auf Hans zugelaufen. Er packte sie und zugleich fiel sein Blick auf die goldene Harfe.

Die goldene Harfe, sagte er, ja, die muss ich auch mitnehmen. Ich habe nimmer sch├Ânere Melodien geh├Ârt.

Mit den Sch├Ątzen beladen, ging Hans still fort. Doch da fing die Henne an zu gackern und Hans h├Ârte das laute Br├╝llen des Riesen, der aufwachte und stutzte.

Aber wo ist meine Henne? Wo meine Harfe? Mein Gold? Stehenbleiben! Na warte! Ich kriege dich, du Dieb!, rief der Riese mit m├Ąchtiger Stimme. Er sah den Jungen mit Goldsack, Henne und Harfe aus dem Schloss rennen und eilte ihm nach.

Hans lief, so schnell er konnte, um sich vor dem Riesen zu retten. Als er zu der Bohnenranke kam, kletterte er diese schnell hinunter. Und der Riese schaute aus der H├Âhe zu, wie der kleine Dieb davonlief. Wollte der Riese seine goldene Henne wiederhaben, so musste er all seinen Mut fassen und dem Dieb nachklettern. Also schwang sich auch der Riese auf die Bohnenranke und verfolgte den Jungen weiter. Hans kletterte immer schneller, der Wind sauste um seine Ohren, alles um ihn herumwirbelte und der Riese kam immer n├Ąher. Da rief Hans seiner Mutter am Boden zu: Mutter, Mutter, schnell die Axt, beeile dich!

Am Boden angekommen, ergriff er die Axt und begann, mit dem Mut der Verzweiflung und aller Kraft auf die Bohnenranke einzuschlagen. Als die gef├Ąllte Bohnenranke mit lautem Krach zu Boden st├╝rzte, fiel auch der Riese kopf├╝ber hinunter in einen Teich und verschwand in dem tiefen Wasser.

Noch lange danach blickten Hans und seine Mutter zum Teich hin├╝ber aus Angst, der Riese k├Ânnte doch noch auftauchen und seine Sch├Ątze wieder zur├╝cknehmen. Doch das Wasser war ruhig und die beiden konnten erleichtert aufatmen. Die riesige Bohnenranke verschwand langsam und nach einigen Stunden war keine Spur mehr von ihr mehr ├╝brig.

Erleichterten Herzens konnten sich Hans und seine Mutter endlich in die Arme nehmen, alles war sich gut ausgekommen. Von nun an waren ihre Tage von der s├╝├čen Musik der Harfe erf├╝llt und die Henne legte goldene Eier f├╝r sie. Sie verga├čen den schrecklichen Riesen und lebten in Ruhe und Wohlstand. Und Hans, der von da an von allen Hans Bohne genannt wurde, da er den Bohnen sei Dank reich geworden war, erinnerte sich bis zu seinem Tode an sein Abenteuer, das ihn bis in den Himmel gef├╝hrt hatte.

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