Es waren einmal eine Mutter und ihre drei Töchter. Die beiden älteren waren sehr fleißig und halfen der Mutter überall im Haushalt, doch die jüngste, Hanna, hatte für Arbeit nicht viel übrig.
Eines Tages kam ein junger Mann auf Brautsuche zu ihrem Haus. Er grüßte höflich – und was sah er da? Die Mutter kochte, die zwei älteren Schwestern saßen fleißig an den Spinnrädern und die jüngste Tochter lag träge hinter dem Ofen.
„Verehrtes Mütterchen“, rief der Herr verwundert, „ruft ihr eure jüngste Tochter denn gar nicht zur Arbeit?“
Die Mutter wollte ihre faule Hanna so bald wie möglich aus dem Haus haben. Und so erfand sie rasch eine Ausrede: „Junger Herr, ich gäbe ihr ja gern die Spindel in die Hand. Doch unsere Hanna ist eine so leidenschaftliche Spinnerin, dass sie sofort alles versponnen hätte, nicht nur den Flachs, sondern sogar das Stroh auf dem Dach. Ja, selbst meine Haare würde sie verspinnen. Und was täten wir dann nur? Lieber gebe ich ihr gar keine Arbeit.“
Der Herr musterte Hanna eingehend, doch er konnte dem hochtrabenden Lob der Mutter nicht so recht glauben. „Ist das denn wirklich wahr, Mütterchen?“, fragte er zweifelnd.
„Aber natürlich“, verteidigte sich die Mutter, „und das ist noch nicht alles! Unsere Spinnerin spinnt auch keine gewöhnlichen Fäden, sondern pures Gold!“
Da grübelte der Herr nicht länger. „Dann gebt sie mir zur Frau!“, rief er begeistert. „Ich habe den ganzen Hof voller Hanf und Flachs, dort kann sie so viel spinnen, wie sie nur will!“
Kaum war Hanna hinter dem Ofen hervorgekrochen, läuteten schon die Hochzeitsglocken. Alle freuten sich, bis auf die Braut. In Gedanken verfluchte sie ihre Mutter. In Wirklichkeit konnte sie die Spindel nicht einmal richtig halten, geschweige denn, dass sie goldene Fäden spinnen konnte!
Der Herr brachte die junge Braut auf…