Mitten in Südamerika, in einem fernen Land namens Brasilien, liegt ein malerisches Dörflein. Die Dorfbewohner bauen Orangen an und statt Spatzen und Schweinen jagen Papageien und Ameisenbären um ihre Hütten.
Eines Abends trafen sich die Nachbarn zu einer guten Tasse brasilianischen Kaffees und überboten sich mit Geschichten von ihren seltsamsten Erlebnissen.
„Als ich einmal im Dschungel Holz gesammelt habe, kroch aus dem Dickicht eine Boitata auf mich zu! Eine riesige Schlange mit Stierhörnern und feurigen Augen. Wenn sie einem direkt in die Augen schaut, wird man blind! Aber zum Glück sah sie, dass ich die Natur mit Respekt behandle und so zischte sie nur und verschwand sogleich!“, sagte der Erste.
„Das ist doch gar nichts. Meine Eselin war einmal trächtig. Es ging ihr sehr schlecht und es sah schon so aus, als würde sie nicht überleben. In der Nacht ging ich deshalb in den Stall und über meiner Eselin stand Anhangá! Ein weißer Hirsch mit roten Augen. Ich weiß nicht, welchen Zauber er bewirkte, aber am nächsten Morgen war meine Eselin wieder wohlauf und gebar drei kräftige Junge! Bis heute sind sie meine besten Helfer“, prahlte der Zweite.
„Und ich habe in meiner Jugend die schöne Iara gesehen, die Wassernixe vom Talfluss!“, übertönte sie der Dritte. Um klarzumachen, dass er am meisten erlebt hatte, sprach er gleich weiter: „Und in den Bergen bin ich sogar dem Lobisomem begegnet, dem fürchterlichen Werwolf, der Schafe gleich stückeweise verschlingt.“
„Und was ist mit dir? Erzähl uns doch auch eine Geschichte“, forderten die Nachbarn von Pedro.
„Ach, Freunde. Wie ich euch beneide, dass diese Geisterwesen euch in Frieden gelassen haben. Ich habe einmal auf dem Markt Saci Pererê getroffen und seitdem lässt er mir keine Ruhe. Er verdirbt meinen Boden, lässt meinen Brunnen austrocknen und meine Orangen verschimmeln…