Tief im Regenwald, wo die Sonne nur mühsam durch die dichten Baumkronen dringt, liegt eine Schule, von der nur wenige wissen. In der Schule der magischen Trommel unterrichtet Pajé Iru, Schamane und Hüter der ältesten Traditionen. Jeden Tag erzählt er den Kindern vom Regenwald, seinen Geheimnissen und den Wesen, die ihn beschützen. Und wenn er einmal nicht weiterweiß, ruft er mit seiner Zaubertrommel Tupã Hilfe.
Es war ein heißer Nachmittag, als sich in der Schule Unruhe breitmachte. Die Luft war trocken und schwer. Fast als würde der Regenwald den Atem anhalten. Gestern waren die Kiner noch mit brennenden Zweigen herumgerannt, doch heute war ihnen nicht nach Toben.
Auch Pajé Iru spürte die Veränderung. Am nächsten Morgen rief er seine Schüler sofort zu sich. „Die Trockenzeit hat begonnen, wir müssen jetzt vorsichtig sein. Deshalb sprechen wir heute über das Feuer. Feuer kann sehr gefährlich sein. Wenn es an der falschen Stelle ausbricht, kann es alles Leben vernichten.“
Pedros Gesicht verfinsterte sich. „Aber wir benutzen Feuer doch jeden Tag! Wir brauchen es zum Kochen und zum Heizen…“
Der Lehrer nickte. „Ja, Pedro. Aber das Feuer ist wie ein wildes Tier. Es kann ein treuer Freund sein, doch wenn wir nicht achtsam damit umgehen, verwandelt es sich in eine zerstörerische Kraft.“
Plötzlich knackte es in der Ferne. Die Luft erzitterte und eine leichte Rauchfahne stieg ihnen in die Nase. Pajé Iru legte sofort das Ohr an den Erdboden. Dann sagte er: „Das Feuer ist erwacht. Wir müssen Boitatá um Hilfe bitten.“
Die Kinder schnappten nach Luft. Boitatá kannten sie aus den Geschichten: Es war eine feurige Schlange, die den Regenwald vor gefährlichen Bränden schützt. Doch dies war keine Gutenachtgeschichte, sondern die Wirklichkeit.
Pajé Iru zog seine Zaubertrommel Tupã hervor und begann zu trommeln. Der Klang der…