Wenn im Bienenstock im Kirschgarten der Wecker klingelt, sind alle Bienen sofort wach. Sie fliegen aus dem Stock, waschen ihre Wangen und Näschen im Morgentau und einen Moment später ist jede an ihrem Platz. So machen es alle Bienen. Bis auf eine: die Flugbiene Thea.
Thea hatte zwar alle Bienenprüfungen bestanden, aber immer nur mit Ach und Krach.
Als erstes war sie eine Putzbiene gewesen. Aber von Ordnung war in ihren Zellen keine Spur. Mal vergaß sie dort eine Socke, ein andermal ein paar Pollenkörner.
Dann war sie eine Ammenbiene. Doch die Bienenbabys, um die sie sich kümmern sollte, weinten so laut, dass sich sogar die Nachbarn beschwerten.
Als sie Futterbiene war, waren ihre Bienenlarven spindeldürr.
Und als Baubiene waren ihre Waben so krumm und schlecht gedeckelt, dass der Honig aus ihnen herauslief.
Schließlich wurde sie Wachbiene. Damals waren im Bienenstock häufig unerwünschte Gäste unterwegs, da Thea während ihrer Wache immer einschlief.
Trotz allem stieg sie zur Flugbiene auf. Sie war jedoch die faulste Flugbiene im ganzen Stock. Na, und glaubt ihr, dass hätte jemand bemerkt? Eine Biene im Bienenstock ist wie ein Sandkorn in der Wüste. So gelang es ihr eine ganze Weile, so zu tun, als ob sie arbeiten würde. Sie flog zwar immer etwas später als die anderen aus dem Stock, doch sie hatte zu ihrer Verteidigung immer eine passende Ausrede parat. Draußen kroch sie dann in eine Blume, trank den süßen Nektar und schlief ein.
Eines Tages hatte die Bienenkönigin eine ungewöhnliche Bitte. Sie wollte den Honig aller Flugbienen kosten. Jede Biene schenkte der Königin ihren köstlichsten, aromatischsten Honig. Sie sammelten dafür Nektar von ausgewählten Blüten – Holunder und Agathe, Linde und Lavendel. Nur Theas Wabenzellen waren vollkommen leer. Kein einziger Tropfen Honig für die Königin. Dieses Mal fiel ihr…