Mitten im Regenwald, wo die Bäume bis in den Himmel ragen und Tiere und Pflanzen eine Sprache sprechen, steht eine geheimnisvolle Schule. Dort unterrichtet der Schamane Pajé Iru. Er bringt den Kindern nicht nur das Lesen und Schreiben bei, sondern zeigt ihnen auch, wie man den Stimmen der Natur lauscht. Es ist ein Unterricht voller Abenteuer und Freundschaft. Und wenn sie einmal nicht weiterwissen, ruft er mit der Zaubertrommel Tupã ein Fabelwesen. Das zeigt den Kindern dann, wie man die Natur achtet und sie beschützt.
Als die Kinder an diesem Tag in die Schule kamen, wehte ein seltsames Lüftchen. Auch die Blätter raschelten anders als sonst, als würden sie einander etwas Wichtiges zuflüstern. Die Vögel hatten aufgehört zu singen und einige flatterten erschrocken aus den Baumkronen. Pajé Iru beobachtete die Natur mit ernster Miene.
„Heute wird der Unterricht etwas anders ablaufen“, verkündete er den Kindern, die gespannt hinter ihm herliefen. „Heute werdet ihr zuhören.“
Die Schüler warfen sich verwirrte Blicke zu. Zuhören? Aber wem denn? Es waren doch alle still. Bis auf den Wind…
„Die Natur spricht nicht so wie wir Menschen“, sagte der Lehrer, „aber das bedeutet nicht, dass sie keine Stimme hat. Wenn ihr zuhört, könnt ihr viele Stimmen hören. Und manchmal verrät euch sogar die Stille, dass etwas passiert ist. So wie heute. Ich spüre, dass sich jemand verirrt hat und unsere Hilfe braucht.“
Malú stand als erste auf und fragte leise: „Gehen wir ihn suchen?“ Daraufhin sprang auch Pedro auf und rief: „Ja, wenn jemand Hilfe braucht, müssen wir ihm helfen!“
Pajé Iru nickte. „Aber wir werden nicht allein gehen. Wir rufen den, der jeden Windhauch kennt, jede verlorene Spur und jedes Flüstern der Bäume.“
Er zog seine Zaubertrommel Tupã hervor und begann einen Rhythmus zu trommeln. Erst klang er…