Tief im Regenwald, an einem Ort, wohin nur ein schmaler, von alten Bäumen gesäumter Pfad führt, steht eine Schule. Hier unterrichtet der kluge und liebevolle Lehrer Pajé Iru. Das Wort pajé bedeutet in der hiesigen Sprache Schamane – Hüter der Geschichten und Traditionen. Immer in seiner Nähe ist die Zaubertrommel Tupã, die denselben Namen trägt wie der mythische Geist von Blitz und Donner.
Jeden Tag erfahren die Kinder mehr über die Natur, die Geschichte und die Traditionen des Regenwalds. Wenn sie einmal nicht weiterwissen, trommelt Pajé Iru einen besonderen Rhythmus. Dann erscheint ein Fabelwesen aus der brasilianischen Mythologie, das den Schülern hilft und ihnen etwas Wichtiges beibringt.
Auch dieser Morgen begann wie jeder andere. Es kamen viele Kinder in die Schule und alle hatten viele Fragen. Sie lernten gerade, wie man Tierspuren liest. Pajé Iru zeigte ihnen verschiedene Spuren und die Kinder sollten raten, von welchem Tier sie stammten.
„Das ist ein Tapir!“, rief Pedro und zeigte auf einen riesigen Abdruck im Lehrbuch.
„Nein, das ist doch ein Jaguar!“, protestierte Malú.
Pajé Iru lächelte. „Weder noch. Das ist ein Wasserschwein, das größte Nagetier auf der Welt. Was haltet ihr davon, wenn wir jetzt im Regenwald auf Spurensuche gehen?“
Die Kinder jubelten begeistert. Kurz darauf standen sie schon am Waldrand. Die feuchte Luft duftete nach Blumen und Erde. Pedro entdeckte als Erster die großen Spuren zwischen den Büschen. „Die stammen bestimmt von einem Wasserschwein!“, verkündete er selbstsicher und alle stürmten in dieselbe Richtung.
Doch als sie näherkamen, stockte Pajé Iru. „Das sind aber nicht nur Tierspuren. Seht ihr die großen Schuhabdrücke? Pedro hat recht, hier sind Wasserschweine entlanggekommen. Doch sie wurden verfolgt. Von zwei Männern.“
Im Wald wurde es auf einmal seltsam still. Selbst die Vögel verstummten.
„Warum würde jemand die Wasserschweine im Dschungel…