Hoch über dem Fluss schwebte ein großer Drache und auf seinem Rücken saß ein kleines Mädchen. Natalie hielt sich an seinem Hals fest, kniff die Augen zusammen und lachte. Ihr waren schon drei Fliegen in den Mund geflogen, doch das störte sie nicht. Der Wind zerzauste ihre lockigen Haare. Es war wunderbar!
Doch plötzlich hörte sie eine Art Glocke. Oder war es eine Klingel? Eine Hummel?
„Och, nö, mein Wecker!“, murrte Natalie verschlafen.
Und so war es. Wie jeden Morgen klingelte ihr Drachenei-Wecker. Natalie gähnte und schaltete ihn aus. Sie kroch unter ihrer rosafarbenen Drachen-Bettdecke hervor und reckte sich genüsslich. Dann richtete sie die Drachenfiguren auf ihrem Regal so aus, dass sie alle in die gleiche Richtung blickten. Sie streichelte ihr Plüschkissen (natürlich war auch darauf ein Drache) und zog sich an. Nach dem Frühstück schulterte sie ihre Schultasche mit den zwei feuerspeienden Drachen und als sie im Auto saß, sah sie fröhlich aus dem Fenster.
Plötzlich entdeckte sie am Wegesrand Werbung für einen neuen Drachenfilm. Sofort bettelte sie:
„Mami, Mami, hast du die Werbung gesehen? Im Kino gibt es einen Film über Drachen! Gehen wir hin? Biiitte! Und kaufst du mir so einen Plüschdrachen wie auf dem Plakat?“
„Aber Natalie, du hast doch schon hunderte von Drachen. Wir können am Samstag ins Kino gehen, aber einen weiteren Drachen brauchst du nun wirklich nicht!“, sagte ihre Mutter in bestimmtem Ton und drehte das Lenkrad nach rechts.
„Ach, Mami, der war aber so süß. Und er hatte sogar Glitzer!“, bettelte Natalie weiter.
Ihre Mutter seufzte. Als sie vor der Schule parkte, drehte sie sich zu ihrer Tochter um und sagte:
„Na gut, Natalie. Wir machen einen Deal. Wenn dein Zeugnis so gut wird wie letztes Mal, bekommst du den Drachen! Einverstanden?“
Das…