Irgendwo in der Ferne lag ein kleines Königreich. Über ihm wölbte sich ein runder Hügel und auf dem Hügel stand eine hohe Burg. Und aus dem obersten Fenster des höchsten Turmes blickte ein Mädchen traurig hinab. Es war Prinzessin Kamilla. Sie beobachtete, wie ihre drei Schwestern gemeinsam über den Hof spazierten und ihr kamen die Tränen.
Kamilla war die jüngste von vier Mädchen. Die Älteren hielten stets zusammen, doch Kamilla war einige Jahre jünger und hatte nie so recht zu ihnen gepasst. Sie war für ihre Schwestern immer noch ein kleines Kind. Und obwohl sie schon viel größer geworden war, gingen ihre Schwestern lieber ohne sie spazieren.
Ihre Schwestern trafen sich jetzt zu Hause, denn heute veranstaltete der König wieder den alljährigen Schlossball. Das war ein großes Fest, zu dem alle wichtigen Persönlichkeiten kommen sollten. Nur Kamilla war nicht eingeladen. Anscheinend war sie noch nicht reif genug, zu wild, eben noch ein Kind. Sie seufzte trübselig.
Ein bisschen wild war sie schon, okay. Kamilla oder Kami, wie die anderen sie nannten, sang gern, lachte und erzählte Witze. Doch sie bekam die gleiche Erziehung wie ihre Schwestern. Sie wusste, wie man mit Besteck aß, wann man aufstehen sollte, wann man schwieg und wann man lachte. Sie konnte tanzen und Konversation machen. Warum traute ihr also niemand etwas zu?
Die junge Prinzessin blickte noch eine Weile aus dem Fenster, doch sie wurde davon nur noch trauriger. Also kehrte sie zu ihrem Schreibtisch zurück, nahm ein Blatt Pergament und tunkte den Federkiel in die Tinte. Wenn ihre Eltern oder ihre Schwester sie gefragt hätten, was sie am liebsten tat, dann hätte sie gesagt, dass sie am liebsten schrieb. Geschichten, Gedichte oder Tagebuch, alles, was ihr in den Sinn kam. Mit der Feder in der Hand fühlte sie…