In der kleinen Stadt waren die letzten Sonnenstrahlen untergegangen. Hinter den Fenstern breitete sich samtweiche Finsternis aus. Alle Geschäfte in der Stadt schlossen um diese Zeit. Auch im Spielzeuggeschäft verabschiedeten sich gerade die letzten Besucher und es wurde langsam still. Nur die ruhigen Töne des Glockenspiels drangen noch durch den Laden.
Das Spielzeuggeschäft von Frau Magda befand sich in einem der alten hohen Häuser auf dem Marktplatz. Es war kein gewöhnlicher Spielzeugladen. Frau Magda flößte uraltem Spielzeug neues Leben ein. Tagelang saß sie hinter der Werkbank und reparierte Holzeisenbahnen, nähte Puppenkleider oder malte Spielzeugenten neue Gesichter. Jedes Spielzeug, das ihr in die Hände kam, wurde wieder wunderschön. In der Auslage standen Puppen in Rüschenkleidern, Eisenbahnen und Teddybären. Stolz warteten sie dort, bis ein Kind kam und sie mit nach Hause nahm.
„So, für heute sind wir fertig“, sagte Frau Magda und schloss die Ladentür. Dann machte sie sich ans Aufräumen, damit am Morgen wieder alles schön sauber für die ersten Kunden war. Nun musste sie nur noch das Licht löschen.
Sanft streichelte sie einige der Spielzeuge und flüsterte: „Gute Nacht, meine Lieben.“ Der Schlüssel drehte sich im Türschloss und die Spielzeuge waren unter sich.
Jeden Abend, wenn das Spielzeuggeschäft schloss, war es auch für die Spielsachen an der Zeit sich auszuruhen. Sie hatten viele Stunden aufmerksam dagestanden, damit neugierige Kinderaugen und -hände sie begutachten konnten. Wie jeden Tag waren auch heute mehrere Dutzend Kunden durch den Laden spaziert. Große und Kleine. Und zwei Spielsachen hatten sogar neue Besitzer gefunden. Jetzt war es an der Zeit auszuruhen, damit sie am Morgen wieder frisch und munter waren.
Wie gewöhnlich meldete sich zuerst die Holzeisenbahn in der Auslage. Mit einem leisen Tuten fuhr sie langsam in ihr gemütliches Depot.
„Heute bin ich wirklich genug hin- und hergefahren“,…