Die Sonne wanderte gen Westen und färbte den ganzen Himmel rosa. Auf der Weide muhten die Kühe und die Vöglein kehrten nach einem Tag voller Abenteuer zurück in ihre Nester. Ihre Beine und Flügel waren ganz erschöpft und sie wollten sich nur noch in ihre Bettchen kuscheln und schlafen.
Auf diesen Moment hatte sich die kleine Grille bereits seit dem Morgengrauen gefreut. Sie hatte ihr Abendlied schon ausgewählt. Ein Lied, mit dem sie die ganze Weide, die Wiese und den Wald in den Schlaf wiegen wollte – alle Käfer, Heuschrecken, Vögel und Schnecken.
Sie nahm ihre Geige und stimmte sie. Dann setzte sie sie ans Kinn. Schon ertönten die ersten ruhigen Klänge – doch was war das? Irgendetwas stimmte nicht. Die kleine Grille überprüfte erneut ihr Instrument, als es ihr wie Schuppen von den Augen fiel.
„Das ist nicht meine Geige. Im Teich quakt ein Frosch! Lieber Frosch, lass mich bitte mein Liedchen spielen“, bat die kleine Grille ihn.
„Wo kämen wir denn da hin? Ich muss für meine Kaulquappen singen, damit sie schön wachsen“, entgegnete der Frosch bestimmt und quakte weiter.
Die kleine Grille packte also ihre Geige ein und ging zum Wald. Dort störte sie hoffentlich niemand. Dann würde sie eben für die Füchse, Hasen und Wildschweine spielen. Sie wollte schon beginnen, als ein tiefes Huu-huu die Stille durchdrang. Und dann gleich noch einmal.
„Liebe Eule, ich wollte gerade ein Lied spielen. Kannst du dein Huhu nicht woanders rufen?“, fragte die kleine Grille verärgert.
„Nein, ich bin doch gerade aufgewacht und gehe gleich auf Mäusejagd. Ohne Huhu wird die Jagd bestimmt kein Erfolg“, erwiderte die Eule.
Also ging die kleine Grille zum Dorf. Die Menschen waren schon in ihren Betten und die Tiere ruhten in ihren Ställen aus. Die…